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DIE ZEIT - Belastete Eier in 45 Staaten

Belastete Eier in 45 Staaten

In nur zwei EU-Staaten sind bisher keine Fipronil-Eier festgestellt worden. Landwirtschaftsminister Christian Schmidt fordert auf einem EU-Treffen strengere Regeln.

5. September 2017, 10:42 UhrQuelle: ZEIT ONLINE, AFP, dpa, cck28 Kommentare

 

Hunderte Legehennenbetriebe mussten wegen des Fipronil-Skandals bisher in Europa geschlossen werden. © Francois Lenoir/Reuters

In insgesamt 45 Staaten sind mittlerweile mit Fipronil belastete Eierfestgestellt worden. In der Europäischen Union seien bislang nur Kroatien und Litauen frei von belasteten Eiern, sagte die EU-Kommissionssprecherin Anca Paduraru. Die restlichen 26 EU-Staaten sowie 19 weitere haben gemeldet, dass bei ihnen verunreinigte Eier oder Eierprodukte aufgetaucht sind. Zu den betroffenen Nicht-EU-Ländern zählten unter anderen die USA, Russland, Südafrika und die Türkei.

 

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) forderte strengere Regeln für das EU-Warnsystem. "Wir müssen leider feststellen, dass monatelang in anderen Ländern die Informationen verfügbar waren und nicht an uns weitergegeben worden sind", sagte Schmidt bei einem Treffen der EU-Landwirtschaftsminister mit dem für Lebensmittelsicherheit zuständigen EU-Kommissar Vytenis Andriukaitis. Schmidt verlangte von der EU-Kommission, Vorschläge für "einheitliche Regeln" bei der Informationspflicht der Mitgliedstaaten auszuarbeiten." Er kritisierte vor allem Belgien und die Niederlande.

Keine Gesundheitsgefährdung

Von den Millionen belasteten Eiern geht keine direkte Gesundheitsgefährdung aus. Das Insektizid wurde zwar in einigen Eier-Chargen in Mengen entdeckt, die über der Referenzdosis liegen – also über der von der WHO festgelegten maximalen Menge einer Substanz pro Kilogramm Körpergewicht, die über die Nahrung mit einer Mahlzeit oder innerhalb eines Tages aufgenommen werden sollte. Da diese Grenzwerte aber mit einem erheblichen Sicherheitsabstand festgelegt werden, gehen Mediziner davon aus, dass die in den Eiern nachgewiesenen Mengen harmlos sind. Verbraucher würden von ein paar Eiern, die sie jetzt essen, nicht krank werden. (Antworten auf die wichtigsten Fragen zu Fipronil in Lebensmitteln lesen Sie hier.) Der Skandal an der Sache ist, dass der Einsatz des Mittels Fipronil in Ställen, wo Eier, Milch oder Fleisch erzeugt werden, nicht zugelassen ist. Im Tierversuch erwies sich das Mittel als giftig. Daher soll es generell nicht in Kontakt mit Lebensmitteln kommen.

Fipronil

Millionen von Eiern – darunter auch Bio-Eier – die mit Rückständen des Insektizids Fipronil belastet waren, gelangten im August 2017 in den Handel. Vor allem stammten sie aus Geflügelbetrieben in Belgien, den Niederlanden, Deutschland und Frankreich. Belastete Chargen fanden sich in allen 16 Bundesländern.

Rasch wurden betroffene Eier aus den Regalen der Supermärkte entfernt. Vorsichtshalber hatten auch Hersteller von Eier-, Kartoffel-, und Thunfischsalaten Produkte zurückgerufen. In ihnen wurden belastete Eier verarbeitet.

Eine akute Gesundheitsgefahr für Verbraucher bestand wohl zu keinem Zeitpunkt, wie auch das Bundesinstitut für Risikobewertung mehrfach bestätigt hat.

Die wichtigsten Infos zu Fipronil in Eiern haben wir hier zusammengefasst.

In Belgien waren nach Angaben der EU-Kommission erstmals Anfang Juni überhöhte Fipronil-Werte in einer Ei-Probe entdeckt worden. Eine niederländische Firma soll das Insektengift unerlaubterweise bei der Reinigung des betroffenen Stalls eingesetzt haben. Es habe danach Wochen gedauert, bis die belgischen Behörden die Ursache der Verunreinigung fanden, auch weil die Niederlande auf Anfragen nur langsam antwortete.

 

Erst am 20. Juli hatte sich Belgien an die EU-Kommission gewandt, die dann über ihr Schnellwarnsystem die anderen Mitgliedstaaten informierte. Seitdem mussten Millionen Eier vernichtet werden, europaweit wurden Hunderte Legehennenbetriebe geschlossen.

Quelle (Link): http://www.zeit.de/wirtschaft/2017-09/fipronil-eier-europaeische-union-45-staaten