29.11.2016 12:39 Uhr

SPIEGEL - Massive Hygieneprobleme

Massive Hygieneprobleme

Chef von Müller-Brot gibt "grobe Fehler" zu

Die unappetitlichen Zustände in der Produktion haben dem Image von Müller-Brot immens geschadet. Für das Debakel hat nun der Chef der Großbäckerei die Verantwortung übernommen. Er gestand zahlreiche Fehler ein, für die Zukunft verspricht er jedoch die "sauberste Produktion der Umgebung".

DPA

Müller-Filiale in München: "Das Hygienemanagement ist falsch gelaufen"

Freitag, 10.02.2012   22:19 Uhr

München - Die Auswirkungen der Hygieneprobleme bekam Müller-Brot zuletzt deutlich zu spüren: Der Umsatz brach ein, eine Fabrik wurde geschlossen und mit dem Discounter Lidl ging zumindest vorübergehend ein wichtiger Großkunde verloren. Nun hat Chef Klaus-Dieter Ostendorf "grobe Fehler" im Umgang mit den Lebensmittelkontrolleuren, den Kunden und der Öffentlichkeit eingeräumt. Für das Debakel der vergangenen anderthalb Wochen übernehme er persönlich Verantwortung, sagte der Mehrheitseigentümer der "Süddeutschen Zeitung" (Samstagausgabe). Das Vertrauen der Kunden wiederzugewinnen, "das wird ein verdammt steiniger Weg", sagte Ostendorf.

Sowohl das Hygienemanagement, als auch die Kommunikation mit Kunden, Mitarbeitern und Partnern sei falsch gelaufen. Momentan werde jede Maschine auseinandergebaut, in ihre Einzelteile zerlegt, gereinigt und wieder montiert. "Und mit Unterstützung der Behörden wird unsere Produktion wohl die sauberste in der Umgebung werden", sagte Ostendorf. Den Pächtern, die zwei Drittel der 240 Müller-Brot-Filialen führen, kündigte er einen Ausgleich für ihre Verluste an. Mit einem unabhängigen Expertenbeirat, Verbraucherinformationen und einem Tag der offenen Tür wolle er für Transparenz sorgen.

Doch während Ostendorf zu Kreuze kriecht, gab es am Freitag neue Negativschlagzeilen: Kontrolleure haben in der Großbäckerei auch in Zutaten Ungeziefer entdeckt. Eine Gesundheitsgefahr für Kunden habe aber nicht bestanden, teilte das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit in Erlangen mit. Weder auf noch in den fertigen Backwaren seien bei Laboruntersuchungen "Schädlinge oder Mäusekot" festgestellt worden.

Seit Mitte 2009 hatten Kontrolleure die Brotfabrik 21 Mal besucht und dabei teils große Hygieneprobleme aufgedeckt. Dass die Öffentlichkeit darüber nicht informiert wurde, ärgert die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch. Deren Vize-Geschäftsführer Matthias Wolfschmidt sagte, ahnungslose Verbraucher hätten Millionen Brötchen und Brotlaibe von Müller-Brot gegessen, "während bayerische Beamte wegen Mäusekot und Kakerlaken in der Großbäckerei ein- und ausgingen". Behörden müssten verpflichtet werden, Verbraucher über Gammelfleisch-Funde und Ekel-Lebensmittel zu informieren.

Nach jahrelangen Hygieneproblemen hatten die Aufsichtsbehörden die Müller-Brot-Fabrik in Neufahrn vor knapp zwei Wochen zwangsweise geschlossen. Die Großbäckerei aus Oberbayern hatte daraufhin zunächst erklärt, wegen eines Schwelbrandes könnten momentan nicht alle Waren ausgeliefert werden. Zeitungsberichten zufolge brachen wegen der Hygieneprobleme in den Bäckereifilialen die Umsätze um bis zu 75 Prozent ein.

aar/dpa/dapd

Quelle (Link): http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/massive-hygieneprobleme-chef-von-mueller-brot-gibt-grobe-fehler-zu-a-814640.html#ref=rss